Foto:Jaime de la Gracia / Puerta de Toledo / España   ampliar

ERINNERUNGEN AN DEN ORINOCO

von: Ulrike Weiland

Von seinen Reisen in die Heimat bringt Jaime de la Gracia Eindrücke mit, welche er am Orinoco, einem der faszinierendsten und geheimnisvollen Flüsse des südamerikanischen Kontinents, in sich aufgenommen hat. Die Präsentation seiner Gemälde zeigt eine Auswahl seiner künstlerischen Auseinandersetzung damit. In vielen Bildern zaubert er das Feuerwerk der Regenwaldlandschaften, die der Orinoco durchfließt. Die Bewohner von Wald und Wasser würdigt er in besonderem Maße mit seinen Darstellungen tropischer Fischswärme. Mit den schweren Bäumen des Waldes, deren Entwurzelung und schrille Farbigkeit den Schmerz über die Gefährdung dieses einzigartigen Naturrervoirs zu enthalten scheint, singt er das Lied der gepeinigten Kreatur... Und immer wieder entfaltet sich das Üppige, Düstere, Undurchdringliche des Dschungels. Der Lieblingsvergleich des Malers, befragt nach der Bedeutung, welchen der Orinoco für ihn hat ist so einfach wie treffend:

Ein Maler mit Leib und Seele

Die Farben sind das Element von Jaime de la Gracia. Üppig und kraftvoll, virtuos und intensiv bearbeitet er seine Leinwände. Feine Farbtupfer und die pastose Behandlung der Bildoberfläche mit matten Farbpigmenten auf dem still dahin ziehenden Fluss wecken Assoziationen an die berühmten Seerosenbilder des impressionistischen Malers Claude Monet oder in den starkfarbigen Flächen, die geheimnisvoll aus dem Dunklen emporblühen, werden Erinnerungen an den expressionistischen Emil Nolde wach.

Ein Fluss ist wie eine Frau - mal turbulent, mal langsam...

Den Themen Frau sind vier exzellente Akte gewidmet, die das Matriarchale des körperlichen betonen aber auch Verletztheit und Unvollständigkeit thematisieren. In dieser künstlerischen Auseinandersetzung geht es darum, auf unspektakuläre Weise etwas deutlich zu machen, was am Ende der Jahrhundert - nein- der Jahrtausendewende immer klarer wird: das weibliche Element des Fließens, des Vertrauens der Hingabe, der Weichheit und Geborgenheit muss neu gefunden werden und Eingang finden in eine Welt, die zur Zeit noch von Härte, Krieg, Zerstörung und Selbstzerstörung geprägt ist.

Ein Goldener Apfel für die Zukunft

Die Krönung der Ausstellung stellt ohne Zweifel das Bild goldener Apfel dar. Halb aufgetaucht, halb noch in der Sphäre des Unbewussten zeigt sich hier die Metapher für Werden und Streben, für Hoffnung und Schönheit, für Solidität und Klarheit, für Kreativität und Innovation. Der Apfel - eine wahrlich uraltes Symbol der Kulturgeschichte -von Adam und Eva angefangen bis zu den Apfelmännchen der modernen Chaosforschung... Jaime de la Gracia entfaltet hier in besonderer Weise sein malerischen Talent und gibt der Würde dieser verführerischen, saftigen und zukunftsweisenden Frucht einen einzigartigen künstlerischen Ausdruck.

 Berlín 1998

 

 

NOTA Foto  von:: Arturo Prado Lima. España 2006

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